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Ein sportlicher Radfahrer mit Satteltaschen fährt über eine schmale Straße zwischen Trockenmauern an Trullis im Hinterland von Apulien vorbei.

Tipps zum Radfahren in Apulien: Ein Gespräch mit Isabella La Tegola von Probike Monopoli

Mein Job als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache an einer Tourismusschule bringt mich immer wieder mit besonders interessanten Menschen zusammen. Eine davon ist Isabella La Tegola, die im vergangenen Jahr vor mir in der Schulbank saß und die Grundlagen der deutschen Sprache paukte.

Anders als viele ihrer Mitschüler stand sie jedoch bereits mitten im Berufsleben: Gemeinsam mit ihrem Mann Cosimo führt sie ihr eigenes Fahrradfachgeschäft „Probike“ in Monopoli in der Nähe von Bari. Diese Stadt habe ich schon in einem früheren Beitrag vorgestellt.

Bisher fand ich immer, dass Radfahren in und um Bari herum eher ein Hobby für Lebensmüde ist. Aber durch Isabella habe ich mein Vorurteil über das Radfahren auf Apuliens Straßen überdacht. Auf den Küstenstraßen bei Monopoli und im Hinterland Apuliens lässt es sich offensichtlich sehr gut der Zweiradleidenschaft fröhnen. Isabellas Geschäft ist deshalb längst mehr als ein klassischer Fahrradladen: Für viele Fahrradfans ist es in den letzten Jahren auch zu einer festen Anlaufstelle für Fahrradtouren geworden.

Isabella und Cosimo von Probike Monopli

Besonders spannend für Touristen: Bei Probike kann man Fahrräder nicht nur vor Ort ausleihen, sondern sie sich ganz unkompliziert an den Urlaubsort liefern und später wieder abholen lassen. Eine wirklich geniale Lösung, denn wessen Fahrrad passt schon ins Handgepäck?

Neugierig geworden, wie aus meiner Sprachschülerin bereits eine erfolgreiche Unternehmerin in Apulien geworden war, habe ich Isabella einfach selbst gefragt:

Die Anfänge von Probike Monopoli

Wie seid ihr dazu gekommen, ein Fahrradgeschäft in Apulien zu eröffnen?

Radsportweltmeister Maurizio Fondriest und seine Ehefrau im Laden Probike von Isabella La Tegola und Cosimo Odorino in Monopoli, Apulien.
Sogar Weltmeister des Radsports schauen in Isabellas und Cosimos Geschäft „Probike“ vorbei: hier Maurizio Fondriest und seine Frau.

Probike Monopoli entstand aus der Leidenschaft meines Mannes für den Radsport. Nach vielen Jahren in einem Radsportverein gründete er 2002 ein Geschäft für den Verkauf und die Wartung von Fahrrädern. 2020, nach dem Lockdown, stieg die Nachfrage nach Outdoor-Aktivitäten und mehr Menschen interessierten sich für Fahrräder. Ich half zunächst im Geschäft mit, während ich noch im Hotelgewerbe arbeitete. 2023 habe ich dann beschlossen, meinen Job zu kündigen, um mich voll und ganz auf Probike zu konzentrieren.

Was Probike besonders macht

Was unterscheidet euch von anderen Fahrradverleihen in der Region?

Die besondere Verbindung, die wir zu unseren Kunden aufbauen, ist wohl der wichtigste Unterschied. Cosimo kennt die Bedürfnisse von Radfahrern sehr genau, und ich schätze den direkten Kontakt zu den Gästen. Wir versuchen, die Wünsche und Fragen jedes einzelnen zu berücksichtigen – sei es bei der Auswahl der richtigen Fahrräder oder bei der Planung einer Tour.

Die Fahrräder im Detail

Welche Fahrradtypen bietet ihr an, und für welche Strecken sind sie geeignet?

Unser Fuhrpark umfasst Citybikes, Trekkingräder, Rennräder sowie Mountainbikes. Besonders nachgefragt werden auch unsere E-Bikes, die eine gute Option für weniger trainierte Radfahrer sind. Wir haben außerdem einiges an Zubehör im Angebot, von Helmen über Radschuhe bis hin zu Kindersitzen und Fahrradträgern. Die meisten Räder sind für die verschiedenen Strecken in Apulien gut geeignet, von flachen Küstenstraßen bis hin zu anspruchsvolleren Routen im Hinterland.

Touren und Routen

Wir versuchen, für jede Art von Radfahrer – egal ob Anfänger oder sportlichere Radfahrer – etwas zu bieten. Es gibt wirklich einfache Strecken, in der Ebene, wie zum Beispiel die Adriaküste in Richtung Polignano a Mare oder nach Süden nach Savelletri und Torre Canne. Aber unsere Gegend ist auch reich an faszinierenden Straßen für erfahrene Radfahrer, wie die Etappen des Giro d’Italia, die im letzten Jahr stattgefunden haben und durch das hügelige Hinterland führen.

Die schönsten Touren verlaufen auf Wegen, die es den Teilnehmern ermöglichen, Apulien aus einer anderen Perspektive zu erleben. Besonders beliebt ist die Ciclovia dell’Acquedotto Pugliese, eine gut befahrbare, ebene Strecke durch wunderschöne Landschaften. Dabei kann ich den Abschnitt Cisternino – Ceglie Messapica besonders empfehlen. Unsere Kunden erreichen Cisternino oft mit dem Fahrrad, aber auch mit dem Zug oder sie bitten uns, sie mit dem Van zum Ausgangspunkt, dem Ort Figazzano, zu begleiten.

Eine Brücke des Ciclovia dell’Acquedotto Pugliese in der Nähe von Cisternino
Zum Radweg der apulischen Wasserwerke (Acquedotto Pugliese) gehört diese malerische Strecke über eine Steinbrücke bei Coreggia.

Auch die Route von Monopoli nach San Vito bei Polignano gehört zu den Favoriten, weil man hier in Ruhe eine wunderbare Gegend mit jahrhundertealten Olivenbäumen, Trockensteinmauern und Ackerland durchquert.

Besonders in den letzten Jahren haben wir gemerkt, dass immer mehr Menschen das Radfahren in Apulien entdecken, unabhängig davon, ob sie Anfänger oder erfahrene Fahrer sind. Wenn es gewünscht wird organisieren wir auch geführte Touren.

Gruppentouren und individuelle Anpassungen

Wie flexibel sind die Gruppentouren?

Die Gruppentouren sind durchaus anpassbar. Es kommt oft vor, dass wir nach den Wünschen der Gruppe streckenweise die Route ändern – je nachdem, wie viel Zeit man hat oder welche Sehenswürdigkeiten man besonders sehen möchte. Natürlich gibt es auch immer Zeit für eine Pause, sei es für ein Eis oder eine kleine Verkostung von lokalen Spezialitäten.

Tipps für eine erfolgreiche Radtour in Apulien:

  • Transport: Fahrräder können per Zug, Bus und Flugzeug transportiert werden – mit speziellen Fahrradtaschen, sowohl als Hardcase als auch als wasserdichte Stofftasche. Allerdings darf der Akku von E-Bikes nicht im Flugzeug mitgenommen werden.
  • Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst (April bis Juni, September bis November) bieten ideales Wetter für Radreisen.
  • Fahrradfahren im Sommer: Früh morgens oder am späten Nachmittag fahren, um der Mittagshitze zu entkommen.
  • Sonnenschutz: Achten Sie darauf, genug zu trinken und sich regelmäßig einzucremen.
  • Sicher fahren: Da es in Apulien nur wenige spezielle Radwege gibt, fahren wir bevorzugt auf ruhigen Nebenstraßen.

Kultur und Kulinarik hautnah erleben

Wie können Radreisende die regionale Kultur und Küche erleben?

Das Schöne am Radfahren in Apulien ist, dass man so nah an der Region und ihren Menschen ist. Man hält an kleinen Bäckereien, probiert frisch gebackene Focaccia, eingelegtes Gemüse oder entdeckt kleine, noch traditionell arbeitende Ölmühlen wie z.B. De Carlo. Apulien hat so viel zu bieten – und das merkt man erst richtig, wenn man langsam mit dem Rad unterwegs ist und die Umgebung auf sich wirken lässt.

Ein Radfahrer fährt auf einer schmalen Straße im Hinterland Apuliens auf eine Kurve mit einem verfallenden Trullo zu.
Auf schmalen Straßen durch Apuliens Hinterland – immer wieder tauchen wie aus dem Nichts Trulli auf.

Persönliche Erfahrungen

Was war eine der schönsten Erfahrungen bei einer Tour?

Eine Karte zeigt eine anspruchsvollere Fahrradtour durch das hügelige Valle d'Itria mit Alberobello und Martina Franca als Höhepunkte.
Die Karte zeigt eine anspruchsvollere Fahrradtour durch das hügelige Valle d’Itria mit Alberobello und Martina Franca als Höhepunkte.

Es gibt oft diese kleinen, unerwarteten Begebenheiten – zum Beispiel, wenn man von den Teilnehmern am Ende einer Tour umarmt wird oder, wenn man merkt, dass sich alle Teilnehmer während der Tour gut fühlen und miteinander ins Gespräch kommen. Dann versteht man dass man nicht nur eine Strecke gefahren ist, sondern ein echtes Erlebnis geteilt hat. Das ist für mich der schönste Moment.

Lieblingsorte und Geheimtipps

Habt ihr persönliche Lieblingsorte in Apulien, die ihr gerne mit den Radfahrern teilt?

„Savelletri ist ein kleines Fischerdorf, das uns immer wieder fasziniert. Auch die Gegend rund um San Vito bei Polignano hat ihren ganz besonderen Charme. Aber häufig sind es nicht die bekannten Orte, die einen wirklich beeindrucken, sondern die stillen, abgelegenen Ecken im Hinterland mit ihren Olivenhainen und verlassenen Straßen. Man merkt sofort, wie viel Ruhe und Gelassenheit diese Orte ausstrahlen.“

Isabellas persönliche Top-Routen in Apulien:

  • Ciclovia dell’Acquedotto Pugliese: Eine malerische Strecke, ideal für Anfänger, besonders malerische bei Cisternino
  • Von Monopoli nach San Vito bei Polignano: Wunderschöne Landschaften auf einer Nebenstraße direkt am Meer entdecken – jahrhundertealte Olivenbäume, Trullis und Trockenmauern
  • Die Route vom Laden entlang des neuen Radwegs bei den Strandbädern von Contrada Santo Stefano bis nach Capitolo — mit einer Eispause und zurück über die Küstenstraße — mit 15 km ideal für Familien mit Kindern zwischen 7 und 13 Jahren

Entwicklungen im Radtourismus in Apulien

Wie hat sich der Radtourismus in Apulien in den letzten Jahren verändert?

„Es gibt einen merklichen Anstieg an Radreisenden, besonders durch die zunehmende Beliebtheit von E-Bikes und Gravel-Bikes. Apulien wird als Ziel für Radfahrer immer interessanter – sei es für entspannte Touren oder sportlichere Herausforderungen. Ich denke, die Region hat in den letzten Jahren wirklich ihr Potenzial als Radreiseziel entdeckt.“

Fazit

Was sollte man zum Schluss über Radfahren in Apulien wissen?

Ein sportlicher Radfahrer mit Satteltaschen fährt über eine schmale Straße zwischen Trockenmauern an Trullis im Hinterland von Apulien vorbei.
Auch das Hinterland Apuliens zwischen Trullis und Trockensteinmauern lässt sich mit dem Fahrrad hautnah entdecken.

„Radfahren in Apulien bietet viel mehr als nur sportliche Betätigung. Es ist eine Möglichkeit, in die Region einzutauchen, ihre Landschaften zu genießen und dabei mit den Menschen und der Kultur direkt in Kontakt zu kommen. Wer Apulien auf zwei Rädern entdecken möchte, wird sicherlich eine unvergessliche Erfahrung machen.“

Nach diesem Gespräch möchte ich am liebsten sofort aufs Rad steigen. Vielen Dank, Isabella — und wer noch weitere Fragen hat: Probike in Monopoli ist der richtige Ansprechpartner für einen Fahrradurlaub in Apulien.

Die Fahrräder grüßen schon von Weitem, so ist Probike in der Via Guglielmo Oberdan 92 gar nicht zu verfehlen.