Schattenseiten: Wenn der Traum von Deutschland zur Flucht wird

Ein Zeitungsartikel über Tomatenpflücker aus Senegal brachte mich gedankelich zu Giuseppe – einem gebürtigen Apulier, der abends in meinem Deutschkurs saß und tagsüber ab 4 Uhr früh Weintrauben „putzte“. Für einen Hungerlohn, unter sengender Sonne, unter Planen, die die Hitze noch verstärken. Sein Padrone (dt. Herr), seine Angst vor Kontrollen, sein einziger Ausweg: ein Koffer und München. Eine Geschichte darüber, dass moderne Ausbeutung keine Nationalität kennt.

Was aus Giuseppe geworden ist, weiß ich nicht – Schüler, die ich über eine Sprachschule hatte, verlor ich nach dem Kurs meist aus den Augen. Von meinen direkten Privatschülern, die oft besser ausgebildet waren, weiß ich dagegen, dass viele es tatsächlich in die DACH-Länder geschafft haben, andere sind sogar weiter nach Kanada oder in die Niederlande gezogen. Ob Giuseppe seinen Platz München gefunden hat, bleibt jedoch offen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..