Olivenernte in Apulien: Ein Besuch bei „De Carlo“ und die Herstellung von hochwertigem Olivenöl

Die Olivenernte in Apulien: Ein Traditionelles Handwerk

Von Oktober bis März drehen sich in Apulien die schweren Räder der Ölmühlen, denn es ist Zeit für die Olivenernte. In dieser Saison bringen viele Kleinbauern ihre frisch geernteten Oliven in Plastikkisten zur Mühle. Auch bei uns in Triggiano, mitten in der Stadt, arbeitet ein kleiner Betrieb, in dem die Maschinen von morgens um 8 bis abends um 9 rattern. Davor stapeln sich die Kisten, während die Bauern sich in Grüppchen zusammenfinden und die Wartezeit bei einem Schwätzchen vertreiben.

Vom Baum in die Mühle: Der Weg des Apulischen Olivenöls

Wer ein intensiveres, pikanteres Öl bevorzugt, erntet die Oliven früh, noch bevor sie ihre grüne Farbe verlieren. Wer es milder mag und weniger Wert auf die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe legt, wartet, bis die Oliven reifen und leichter vom Baum fallen. Doch eines bleibt immer gleich: Die Oliven müssen so schnell wie möglich gepresst werden, denn sofort nach der Ernte beginnt der Verfall, der den Geschmack des Öls beeinflusst. Das erklärt auch, warum man in Apulien ausschließlich kalt presst – nur so bleiben die gesunden Inhaltsstoffe und das Aroma des Öls erhalten.

Kaltpressung in Apulien: Warum Frische und Schnelligkeit entscheidend sind

Die kalte Pressung ist nicht nur eine Tradition, sondern auch der Schlüssel zu hochwertigem Olivenöl. Sobald die Oliven zerquetscht sind, muss das austretende Öl vom Wasser getrennt und sofort abgefüllt werden. Der gesamte Prozess geschieht noch mechanisch, aber der Grundsatz ist seit Jahrhunderten derselbe: Frische und Schnelligkeit sind entscheidend für das beste Öl.

Nachhaltigkeit in der Olivenölproduktion: Vom Abfall zur wertvollen Ressource

Als wir Lina fragten, was mit den Abfällen passiert, reagierte sie schnell: „Die Kerne verwenden wir als Heizmaterial, und das vom Öl getrennte Wasser wird als Dünger auf den Feldern genutzt.“ Der Betrieb legt großen Wert auf Nachhaltigkeit: Der Strom kommt von einer Solaranlage auf dem Dach, und die rund 25.000 Olivenbäume werden mit größter Sorgfalt per Hand abgeerntet. Auf die Frage nach dem Olivenabfall, der nicht aus den Kernen besteht, erklärte sie ein bisschen verschämt, dass dieser verkauft werde. Später erfuhr ich, dass aus diesem „Abfall“ weiter Öl gewonnen werden kann oder er als Futter in der Schweinemast Verwendung findet.

Ein Blick hinter die Kulissen: Der Familienbetrieb „De Carlo“ in Bitritto

Das Hauptgebäude des landwirtschaftlichen Betriebs „De Carlo“ im apulischen Bitritto. Hier wird nicht nur reines Olivenöl gepresst, sondern auch Oliven gemeinsam mit Zitronen oder Mandarinen, sowie knackiges Gemüse eingelegt.

Da die Olivenölvorräte meiner Freundin in Deutschland zur Neige gingen, machten wir uns an einem Sonntag auf den Weg nach Bitritto, wo der Familienbetrieb „De Carlo“ schon seit dem 17. Jahrhundert für hochwertiges Olivenöl bekannt ist. Mit seinen Auszeichnungen und seinem guten Ruf in der Branche hat sich der Betrieb einen Namen gemacht. Als wir ohne Traktor und Kisten vorfuhren, fiel unsere Anwesenheit sofort auf – besonders unser großer Fotoapparat zog Blicke auf sich. Und so kam es, dass Lina, die eigentlich zum Büropersonal gehörte und sich hauptsächlich um Abrechnungen kümmerte, uns ansprach. Sie war neugierig, warum wir mit der Kamera unterwegs waren, und als wir ihr erklärten, dass wir ein paar Fotos für den Blog schießen wollten, bot sie uns sofort an, uns durch die Mühle zu führen.

So wird Apulisches Olivenöl hergestellt: Vom Rüttelbad bis zur Abfüllung

Bevor die Oliven gepresst werden, nehmen sie ein Rüttelbad, um sie von Schmutz, Blättern und Astteilen zu befreien.

Bevor die Oliven gepresst werden, müssen sie ein Rüttelbad durchlaufen, um Schmutz, Blätter und Astreste zu entfernen. Alles muss sauber sein, bevor es in die Mühle geht. Lina erklärte uns, dass jede Plastikkiste gekennzeichnet wird, damit jeder Bauer das Öl seiner eigenen Oliven zurückbekommt. Die Maschinen machen dabei einen Höllenlärm, doch der Prozess ist beeindruckend: Die Oliven werden zerquetscht, das austretende Öl wird durch Zentrifugation vom Wasser getrennt und anschließend abgefüllt.

Nach dem Bad läuft heute alles mechanisch weiter.

De Carlo – Ein Familienbetrieb mit jahrhundertealter Tradition

Waschen und ordentlich zerquetschen – schon fließt ein aromatisches, gelbgrünes Öl aus dem Hahn und muss nur noch abgefüllt werden.

In einem zweite Raum wird noch so gepresst wie schon vor Hunderten von Jahren mit dem Unterschied natürlich, dass die schweren Mühlsteine heute von einem Motor angetrieben werden. Wie das im 12. Jahrhundert aussah, zeige ich euch hier. Es ist faszinierend, wie die traditionelle Technik hier weiterlebt und mit modernen Methoden kombiniert wird, um das beste Olivenöl zu produzieren.

Der Geschmack von Apulien: Olivenöl aus der Region für höchste Ansprüche

Ein gut bestücktes Regal im Hofladen von De Carlo

Wer Apulien wirklich erleben möchte, sollte nicht nur die Landschaft genießen, sondern auch das Olivenöl schmecken. Ein gutes Olivenöl hat seinen Preis – 100 ml Extra Vergine von „De Carlo“ kosten 6 Euro, und 250 ml Olivenöl, das zusammen mit Zitronen oder Mandarinen gepresst wird, gibt es für 8 Euro. Dafür weiß man genau, was man isst – und das ist in Zeiten von Industriefabriken und Massenproduktion nicht selbstverständlich.

Wenn du in der Nähe bist, solltest du unbedingt den kleinen, aber feinen Hofladen von „De Carlo“ besuchen. Die Öle und anderen Produkte sind nicht nur gesund, sondern auch perfekte Souvenirs oder Geschenke.

Weitere Tipps: Die besten Orte für Apulisches Olivenöl

Das Öl von De Carlo kann man auch in vielen lokalen Geschäften finden, in Bari zum Beispiel hier:
CUCUMAZZO SRL, Via Calefati 61/H, Bari (In der Stadtmitte).

Wenn du noch mehr über das „grün Grold Apuliens“ erfahren möchtest, schau dir auch meinen Beitrag über die Olivenernte auf der Terrasse an. Und für eine weitere Zeitreise durch die Region – beeindruckende, Jahrhunderte alte Olivenbäume findest du im Gebiet um Fasano. Und so sieht er aus, der Frühling im Olivenhain.

6 Gedanken zu „Olivenernte in Apulien: Ein Besuch bei „De Carlo“ und die Herstellung von hochwertigem Olivenöl

  1. Avatar von Arno von RosenArno von Rosen

    Es stimmt, diese Olivenöle, so wie deines hier, sind nicht zu vergleichen mit denen, die es in Deutschland landläufig zu kaufen gibt. Dagegen hat auch das angeblich beste kaltgepresste Öl hier nur den Geschmack von Altöl. Dagegen lässt sich das wahre Olivenöl aus Italien sogar trinken und schmeckt einfach köstlich! Ich wünsche dir ein fröhliches erstes Adventswochenende!

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  2. Avatar von Beatrix SchlinkmannBeatrix Schlinkmann

    Alles hat wohl seine Berechtigung. Ich habe nach Deutschland und Österreich frisch gepresstes Olivenöl als Geschenk mitgenommen . 3x wurde mir gesagt: bähh, das schmeckt ja nach Oliven! Nee, sowas brauch ich nicht! Ein wenig enttäuscht hier wohl beide : der Geber und der Beschenkte.
    Liebe Grüsse aus dem hohen Norden: zur Zeit, Nähe Flensburg

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  3. Avatar von RiaRia

    Ich liebe das Apulische Olivenöl. Wir nehmen es meist (wenn wir mit dem Auto unten sind, in Kanistern mit nach Hause bzw. bekommen die Kanister von der Familie ins Auto gestellt 😉 Aber auch ich musste schon mehrfach die Erfahrung machen, dass sich die Begeisterung hier in Deutschland bei denjenigen, denen ich etwas abgefüllt habe, in Grenzen hält….Als Erklärung kommt dann, es sei zu scharf bzw. zu bitter.

    Eine schöne Vorweihnachtszeit, LG Ria

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