Romanische Stille im Schatten der Kaktusfeigen
Auf dem Weg zu den Traumstränden von Lecce trafen wir ca. 15 Autominuten in Richtung Torre Chianca auf etwas, dass sich hinter hohen Mauern und einer Kaktusfeigenhecke versteckte, jedoch angesichts eines davor geparkten Reisebusses von touristischem Interesse sein musste. Sollte es sich vielleicht um eine sehenswerte Masseria handeln? Wir parkten ebenfalls und folgten einigen herumstreunenden Fotoapparaten durch einen Torbogen in den Innenhof, dessen Zugang jedoch durch einen Zaun blockiert wurde.
„Wow!“ entfuhr es mir beim Anblick einer im weichen Morgen-Sonnenlicht ganz golden strahlenden, doch eigentlich weißen Tuffstein-Kirche mit einer romantischen Säulengalerie. Die Überraschung war wirklich gelungen und die offenen Türen in den Nebengelassen verhießen weitere Entdeckungen, sodass 5 Euro Eintrittspreis pro Person gerechtfertigt schienen.
Was bedeutet der Name „Cerrate“?
Der Überlieferung zufolge wird die Gründung der Basilika im 17. Jahrhundert dem Grafen von Lecce zugeschrieben. Demnach beschloss der Graf, an jenem besonderen Ort eine Kirche zu errichten, an dem ihm während einer Jagd die Madonna erschien: zwischen den Geweihen eines Hirsches – oder, einer anderen Version zufolge, eines Rehs. Daher soll sich der Name Cerrate vom Wort „Hirsch“ (cervo) ableiten, weshalb die Abtei nun der „Hirsch-Maria“ geweiht ist.
Abbazia di Santa Maria delle Cerrate bei Lecce – Fresken, Mühlen und klösterliches Leben bestaunen

Tatsächlich handelte es sich bei dem Anwesen um die Reste eines Basilikanerklosters aus dem 12. und nicht 17. Jahrhundert. Man kann nicht nur die Kirche mit vielen farbigen byzantinschen Fresken bestaunen, sondern auch die Ölmühlen und die Getreidemühle des Klosters, sowie einem Steinbackofen. Ein kleiner Garten mit niedrigen Zitronenbäumchen und einem Brunnen lässt ahnen, dass auch die Mönche hier dazumal nicht nur mit Olivenbäumen gegärtnert haben.
Ob die Loggia, von welcher man einen tollen Ausblick über das saubere und liebevoll restaurierte Areal hat, auch zu Zeiten der Mönche schon teilweise verglast war, wage ich zu bezweifeln. Doch die Stadt Lecce und der „Fondo Ambiente Italiano“ (kurz: FAI) haben hier nach einem zweihundertjährigen Dornröschenschlaf ganze Arbeit geleistet und ein richtiges, kleines Schmuckstück wieder aufleben lassen. Uns hat es direkt verzaubert.






