„La Befana vien di notte
con le scarpe tutte rotte,
il capello alla romana.
Viva viva la Befana!“
Diesen Kinderreim auf die sogenannte „Befana“ hört man heute in allen italienischen Häusern. Es gibt ihn in vielen regional abgewandelten Formen, aber in Luigis Familie ist der obige gebräuchlich und bedeutet in etwa: „Die Befana kommt in der Nacht mit kaputten Schuhen und einem römischen Hut. Lang lebe die Befana!“
Meine Bekanntschaft mit dieser merkwürdigen Hexe begann aber schon Anfang Dezember und das kam so:
Hexe Befana statt Nikolaus: Wie Kinder in Apulien den 6. Januar feiern
Da Adventskalender in Italien nicht gebräuchlich sind und am 6.12. auch kein Nikolaus in Triggiano vorbeikam, um eine Runde vorweihnachtlichen Hüftgoldes zu verteilen, beschloss ich bereits, mich im nächsten Jahr mit den armen italienischen Kindern zu solidarisieren und eine großangelegte „Mission Nikolausstiefel“ zu starten. Doch Luigi erstickte meinen Eifer mit den folgenden Worten: „Warte mal Befana ab! Da wirst Du sehen, dass euer Nikolaus direkt knauserig ist.“ Dann erklärte er mir, dass am 6.1. eine alte hässliche Hexe hier vorbeikommen und Socken mit Süßigkeiten vorbeibringen würde.
„Na, das wollen wir doch mal sehen!“ dachte ich, fand es aber sofort gar nicht mehr so schlimm, dass meine hohen schwarzen Stiefel noch in Deutschland stationiert waren. Lange warme Skisocken mitzubringen war in dieser Hinsicht scheinbar die bessere Wahl gewesen. Doch Luigi belächelte meine Überlegungen erneut und erklärte mir, dass die Hexe selbstverständlich ungetragene Socken verteile, was im Gegensatz zum Nikolaus viel praktischer wäre, da man nicht einmal seine Schuhe dafür putzen müsse.
Die Befana und ihre Socken: Wie eine Hexe Süßigkeiten verteilt
Während ich noch überlegte, ob italienische Kinder ihre Schuhe folglich statt wenigstens einmal im Jahr nun gar nicht putzen würden, suchte ich im Internet weiterführende Informationen zur sockenbringenden Hexe und fand heraus, dass sie sogar eigene Webseiten hat. Dort kann man lesen, dass sie sich die krummnasige Alte alljährlich in der Nacht vom 5. zum 6.1. aufmacht, um durch Kamine zu schlüpfen und Süßigkeiten in die Socken der Kinder zu stecken. Da nun die wenigsten Familien im warmen Süditalien einen Kamin haben, an dem sie Socken aufhängen können, ist die Hexe offensichtlich dazu übergegangen, die Socken massenweise in Süßigkeitenläden und Supermärkten zu verteilen, wo sie seit Mitte Dezember von den Decken baumeln, und ihre Arbeit den Verwandten der zu beschenkenden Kinder zu überlassen.
Woher kommt die Befana? Von der Epiphanie zur Süßigkeitenhexe
Vermutlich nicht ganz zufällig stammt der Name „Befana“ vom griechischen „Epiphaneia“ ab (Epifania > Pifania > Beffania > Befania > Befana), was soviel bedeutet wie „Erscheinung Gottes“. Gemeint ist damit die „Erscheinung Gottes“, welche am 6.1. von der katholischen Kirche gefeiert wird. Demnach kamen an diesem Tag drei weise Könige zum neugeborenen Jesuskind und brachten ihm Geschenke. Vermutlich auch nicht ganz zufällig feierten bereits die alten Ägypter an diesem Tag ein Fest zu Ehren der Geburt ihres Gottes Horus. So überlagern sich die Religionen und Bräuche, und während deutsche Kinder heute in manchen Orten traditionell unter Vortäuschung einer falschen Identität Haustüren mit Graffiti (C+M+B) beschmieren, sind die Süßigkeitenregale in unserem Supermarkt um die Ecke praktisch leergekauft. Nur die letzten Säumigen stürmen noch in die Geschenkeläden, um sich im Namen der Befana mit gefüllten Socken einzudecken.
Auch ich habe heute eine Socke mit einem Glücksschwein darauf und diversen Süßigkeiten darin erhalten. Leider ist die Socke ungefähr zwei bis drei Nummern zu klein und entspricht auch nicht meiner Wadenweite, aber schauen wir mal, was passiert, wenn wir unsere Wohnung auf Vordermann gebracht und tatsächlich einen Kamin haben werden. Dann werde ich der Befana im nächsten Jahr auflauern und sie fragen, ob ich den Socken umtauschen kann.
.Hier noch einmal in Kürze die wichtigsten Fragen und Antworten zur Befana
Was ist die Befana in Italien?
Die Befana ist eine Figur des italienischen Volksbrauchtums, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar Kindern Süßigkeiten in Socken bringt. Sie wird als alte Hexe dargestellt und ist eng mit dem Fest der Epiphanie verbunden.
Wann wird die Befana gefeiert?
Die Befana wird am 6. Januar gefeiert, dem Tag der Epiphanie (Heilige Drei Könige). In Italien ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag und bildet zugleich den Abschluss der Weihnachtsfeierlichkeiten.
Was bringt die Befana den Kindern?
Brave Kinder bekommen Süßigkeiten, Schokolade und kleine Geschenke. Für unartige Kinder gibt es traditionell „Kohle“ – heute meist aus Zucker oder Lakritz.
Warum sieht die Befana wie eine Hexe aus?
Ihr Aussehen geht vermutlich auf vorchristliche Fruchtbarkeits- und Jahreswechselrituale zurück. Die Figur symbolisiert das alte Jahr, das vergeht, um Platz für Neues zu machen. Deshalb schmücken die meisten Italiener auch am 6. Januar ihren Weihnachtsbaum ab und motten die Weihnachtsdekoration einl.
Wie wird die Befana in Apulien gefeiert?
Auch in Apulien hängen seit Wochen vor dem 6. Januar gefüllte Socken in Geschäften, Supermärkten und Bars, welche die Kinder dann am Morgen des Feiertags als Geschenk in ihrer Wohnung finden. Familien feiern meist im kleinen Kreis und nutzen den Tag zum Aufräumen nach den Weihnachtsfeierlichkeiten und dem Jahreswechsel.
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