Wenn man die Zeit um 1500 Jahre zurückdrehen würde, läge der beliebte Badeort Metaponto nicht mehr in der Basilikata, sondern in „Lucania“, wie die Römer einst das Gebiet nannten, welches heute die Basilikata, sowie Teile Apuliens und Kampaniens einschließt. Hier stößt man auf beeindruckende Ruinen, die noch heute von der griechischen Expansion in Süditalien zeugen. Ein faszinierendes Beispiel dafür ist der Heratempel von Metaponto, dessen dorische Säulen die Geschichte einer längst vergangenen Epoche bewahren.
Der Heratempel von Metaponto: Überreste eines griechischen Heiligtums
Verlässt man Metaponto in Richtung Pisticci kann man gar nicht anders, als auf den Tempel der Hera zu treffen, steht er doch günstig direkt an der Schnellstraße und ist gut ausgeschildert. Man könnte auch denken, er sei mit seinen 15 verbliebenen von ursprünglich 32 dorischen Kalksteinsäulen nicht zu übersehen. Aber tatsächlich gelingt es dem enormen Bauwerk, welches inklusive Dacht ca. 14 Meter hoch gewesen sein soll, sich gut hinter Oleanderbüschen und Pinien zu verstecken, sodass es bei uns direkt einen Aha-Effekt gegeben hat, nachdem wir uns durch den vorgelagerten Park geschlagen hatten und sich dann plötzlich der Blick auf den Palatin auftat.



Stark verwittertes Zeugnis der griechischen Besiedlung
Der Tempel war ursprünglich etwa 14 x 34 Meter groß – also halb so groß wie der Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen. Für einen Außenposten in Großgriechenland muss er dennoch ein imposanter Anblick gewesen sein. Leider hat der Zahn der Zeit stark an der Anlage genagt. Der verwendete süditalienische Kalkstein ließ sich zwar gut bearbeiten, er zeigte sich jedoch besonders anfällig für die Erosion durch Wind und Wetter. Aber trotz dieser natürlichen Zerstörung gehört der Heratempel von Metaponto zu den am besten erhaltenen Spuren der griechischen Besiedlung in Süditalien.
Großgriechenland – „Magna Graecia“
Aber warum steht hier im Lukanischen überhaupt ein griechischer Tempel? Wenn man ein Kind in der italienischen Grundschule hat, weiß man das, denn in der vierten und fünften Klasse wird die gesamte Ur- und Frühgeschichte durchgepaukt. Demnach wurde es den prosperierenden Völkern in Athen und Sparta im 7. und 8. Jahrhundert v. Chr. langsam zu eng. Auf der Suche nach neuen Siedlungs- und Handelsgebieten gründeten sie auf Sizilien und dem süditalienischen Festland zahlreiche griechische Kolonien. Diese waren politisch unabhängig, aber kulturell stark mit dem Mutterland verbunden. Der Verbund dieser Poleis wurde als „Magna Graecia“ bezeichnet.
Natürlich ließen sich die Griechen nicht einfach irgendwo nieder, sondern wählten Orte, die bereits von anderen Völkern besiedelt waren, wie zum Beispiel Metaponto, dessen Besiedlungsspuren bis ins Neolithikum zurückreichen. Über die Jahrhunderte hinweg vermischten sich griechische und lukanische Kultur, bis die Römer ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. die Griechen aus Süditalien verdrängten.
Zu den historischen Sehenswürdigkeiten von Metaponto gehört neben dem Tempel auch eine 150 Hektar große Ausgrabungsstätte (Parco Archeologico) der antiken griechisch-römischen Stadt, die im 7. Jahrhundert v. Chr. in der fruchtbaren Ebene am Fluss Basento entstand. Umgeben ist die Stadt von mehreren Begräbnisstätten, darunter von der Nekropole Crucinia.
Weitere Funde aus Metaponto sind im Nationalmuseum ausgestellt, das jedoch aufgrund von Restaurierungsarbeiten momentan nicht zugänglich ist. Interessierte Besucher können trotzdem in den Parks nahe des heutigen Badeortes eine Auszeit genießen, denn das weitläufige Gelände ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel und kostenlos zu besichtigen.
Und danach?
Wer danach noch nicht genug vom Magna Graecia hat, dem sei eine Reise nach Taranto empfohlen – der einzigen Kolonie Spartas in Süditalien. Hier befindet sich das hervorragende Museum Marta, eine Kultureinrichtung von nationaler Bedeutung, die Fundstücke aus den Ausgrabungsstätten ganz Süditaliens unter einem Dach vereint.




Vielen Dank für die kleine Geschichtsstunde. Mir scheint, dass es früher in Europa nur die Griechen und Römer waren, die unter Platzmangel litten.😉
Ich habe übrigens neulich gelesen, da wurde Apulien als ein guter Ort für Rentner beschrieben.
Liebe Grüße, B.
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🙂 Vielleicht wussten die einfach nur, wo es schön war.
Ich denke, Apulien ist eine gute Alternative für Renter, aber man müsste schon vorher etwas in eine gute Imobilie mit niedrichen Haltungskosten investieren – ich denke da an Dämmung für die kalte Jaheszeit und Aufrüstung mit Photovoltaik. Auch wenn die Süditaliener alles Nördliche für ziviler und günstiger halten, glaube ich, dass man hier mit einer deutschen Rente sehr gut leben kann. Medizinisch muss man Vieles selbst tragen, aber so weit sind wir in Deutschland ja auch schon.
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Eine Bekannte von mir ist an die ligurische Küste gezogen. Nach dem ersten Winter war sie zurück in Deutschland 😁 Kälte und Einsamkeit waren zu viel.
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Ja, das glaube ich gern. Deshalb mein dringender Rat, erstmal eine Immobilie auf den neuesten Standard der Wintertauglichkeit bringen. In den anderen Jahreszeiten lässt sich es von Natur aus gut aushalten.
Und dann lieber in ein größeres Zentrum ziehen, wo man eine deutschsprachige Gemeinde findet. Hier in und um Bari gibt es erstaunlich viele Deutsche. Man muss nur zu den Veranstaltungen des Deutsch-Italienischen Begegnungszentrums gehen, um sie kennenzulernen. Wenn man aufgeschlossen ist, lernt man auch schnell Italiener kennen, aber dazu muss man natürlich die Sprache einigermaßen beherrschen.
Oder man schmeißt sich von vornherein mit ein paar Gleichgesinnten zusammen und geht gemeinsam in ein anderes Land.
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Ich frage mich, wozu man Deutsche braucht 😁 Kann man die nicht besser in Deutschland treffen ? 😉
Aber ich weiß, dass es für viele schwierig ist. Für mich wäre das nichts.
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Ich verstehe dich.
Für mich war das bisher auch nicht wichtig. Tatsächlich ist mir nicht mal ein loser Kontakt zu permanent hier lebenden Deutschen gelungen. Allerdings habe ich mich auch nicht sehr angestrengt. Nur eine Deutsche ist inzwischen eine sehr gute Freundin geworden, aber sie kommt nur im Urlaub ihre apulische Familienseite besuchen.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass es wichtiger wird, wenn man als älterer Mensch herzieht. Da möchte man vielleicht doch Leute um sich haben, welche einen immer verstehen. Wenigstens die Wörter, die man sagt. 😉
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Ich habe das ja auch mehrfach durchgemacht und der Anfang ist wirklich schwierig. Als alter Mensch braucht man eventuell ein Netz um sich, wenn man erkrankt. Und dann nicht die Sprache zu beherrschen, ist mMn fahrlässig.
Im Notfall helfen einem keine Kontakte im Netz.
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Ich glaube, da hast du völlig recht.
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Thanks for sharing. I haven’t been there.
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I’ve never been to Finland so far. Both of us still have lots of options for our travels. 😉
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😄😄
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